Der Wettlauf um die Vorherrschaft im KI-Zeitalter beschränkt sich längst nicht mehr auf die Entwickler von Hochleistungs-Chips. Neue Rechenzentren schiessen derzeit wie Pilze aus dem Boden. Und all diese Rechenzentren benötigen neben den Hochleistungs-Chips auch Leistungshalbleiter, also Chips, die für die Stromversorgung der Datenfabriken unerlässlich sind. Weltmarktführer ist hier der Münchener Halbleiterproduzent Infineon, der vom KI-Boom profitiert wie kaum ein zweites deutsches Unternehmen.
Die Aktie des Münchener Halbleiterproduzenten Infineon ist im noch jungen Börsenjahr 2026 bisher gut aus den Startblöcken gekommen. Gestern ging es für die Aktie zwar um mehr als 2 Prozent abwärts, doch steht seit Jahresanfang noch immer ein Zuwachs von knapp 10 Prozent zu Buche. Gleich mehrere Analystenhäuser haben der Aktie zuletzt weiteres Kurspotenzial attestiert.
Infineon ist nicht nur ein Hersteller von Halbleitern, Infineon stellt auch Leistungshalbleiter, Automotive-Chips, Sicherheits-Chips und Sensorik-Chips her und ist in fast allen wichtigen Trends bestens aufgestellt. Infineon-Chips erfüllen alle denselben Zweck: Sie machen Energie effizienter, Mobilität intelligenter und Industrieanlagen zuverlässiger. Die Fantasie beim Münchener Konzern stützt sich derzeit auf zwei strukturelle Wachstumstreiber: die steigende Nachfrage nach Stromversorgungslösungen für KI-Rechenzentren (AI Power) und den Trend zu softwaredefinierten Fahrzeugen (SDVs). Moderne Fahrzeuge sind rollende Computer. Jeder Sensor, jede LED, jede Software-Funktion (zum Beispiel Wärmepumpe, Ladefunktion, Fahrerassistenz) benötigt eigene Chips. Elektroautos sind durch die Batteriesteuerung und die effiziente Elektronik noch komplexer. In einem modernen E-Auto stecken oft zwischen 1’000 und 5’000 Mikrochips, die für Steuerung, Sensorik, Infotainment und Assistenzsysteme unerlässlich sind. Infineon hält einen Spitzenplatz bei Halbleitern für Fahrzeuge, besonders bei Mikrocontrollern, mit einem Marktanteil von etwa 28 Prozent.
Die grosse Fantasie liegt bei Infineon jedoch in den sogenannten Leistungshalbleitern, also Chips, die für die Stromversorgung von Datenfabriken unerlässlich sind. Aktuell steht noch die reine Leistung der Rechenzentren im Mittelpunkt. Doch irgendwann wollen die grossen Konzerne mit ihren Rechenzentren auch Geld verdienen. Und spätestens dann rücken die enormen Stromkosten der Datenfabriken in den Fokus. Infineon hat sich früh auf eine effiziente Stromversorgung der Rechenzentren konzentriert und erntet bereits die Lorbeeren dafür. „Der Bedarf an Leistungshalbleitern für KI-Rechenzentren steigt massiv“, hatte Infineon bei der Verkündung der Q4-Zahlen im Oktober verlauten lassen. Das Segment Power & Sensor Systems (Pss) schloss das vierte Quartal des Geschäftsjahrs 2025 mit einem Umsatzanstieg von 13 Prozent auf 1.19 Milliarden Euro ab. Wie stark Infineon von der enormen Nachfrage nach Leistungshalbleitern profitieren wird, kann nur geschätzt werden. Infineon selber gab lediglich an, dass der Umsatz im Segment Pss deutlich stärker als im Konzerndurchschnitt wachsen wird, getrieben von der sehr dynamischen Nachfrage nach Produkten für die Stromversorgung von KI-Rechenzentren. In diesem Zusammenhang dürften die Zahlen zum ersten Quartal des neuen Geschäftsjahrs 2026, die am 4. Februar veröffentlicht werden, allmählich in den Fokus rücken. Anleger werden den Fokus darauf legen, ob sich die prognostizierte Nachfrage im KI-Bereich bereits in konkreten Auftragseingängen und stabilen Margen widerspiegelt. Liefert das Management hier überzeugende Daten, könnte die Aktie ihren zuletzt guten Lauf fortsetzen.
Charttechnisch steuert die Aktie auf das Hoch aus dem Jahr 2021 bei 43.85 Euro zu, das zugleich ein 24-Jahres-Hoch markiert. Das Überqueren würde ein kräftiges Kaufsignal generieren, was technische Anschlusskäufe nach sich ziehen könnte. Danach Kursziele zu definieren dürfte schwierig werden, da die zum Börsengang im Jahr 2000 erreichten Höchstkurse (Hoch 83.45 Euro) kaum einen Anhaltspunkt liefern dürften. Auf der Unterseite dürften das Hoch aus dem Jahr 2023 bei 40.27 Euro und das Hoch vom Februar 2025 bei 39.43 Euro für solide Unterstützungen sorgen.