Hochtief: Baukonzern mit KI-Fantasie

Die Aktie des Baukonzerns Hochtief gehörte in der jüngeren Vergangenheit zu den absoluten Highflyern am deutschen Aktienmarkt. Vor ziemlich genau zwei Jahren, am 21. Juni 2024, notierte das Hochtief-Papier noch bei 99.20 Euro. Aktuell notiert es bei 503.00 Euro und hat sich somit seither mehr als verfünffacht. Am Montag ist der Baukonzern zudem in den deutschen Leitindex DAX aufgestiegen, was langfristig für weitere Fantasie sorgen könnte. Kurzfristig erscheint jedoch bereits sehr viel Fantasie im Kurs enthalten zu sein.

Die meisten Anleger verbinden mit dem Baukonzern Hochtief nicht gerade enorme KI-Fantasie. Und dennoch gehört der Essener Konzern zu den grössten Profiteuren des Megatrends. Der Grund liegt weniger in der Entwicklung von Künstlicher Intelligenz selbst als vielmehr in den enormen Investitionen in die Infrastruktur, die für den Betrieb von KI-Anwendungen erforderlich sind. Moderne KI-Modelle benötigen leistungsstarke Rechenzentren mit hoher Stromversorgung, Kühlung und Netzwerkanbindung. Weltweit investieren die Technologiekonzerne derzeit Milliardenbeträge in den Ausbau solcher Datencenter-Kapazitäten. Hochtief ist vor allem über die US-Tochter Turner Construction hervorragend positioniert, um von dieser Entwicklung zu profitieren. Die US-Tochter gehört in Nordamerika zu den führenden Bauunternehmen für komplexe Technologie- und Rechenzentren. Während also viele Investoren auf Chiphersteller setzen, um am Megatrend KI zu partizipieren, profitiert Hochtief als Baukonzern von den erheblichen Investitionen, die für den Aufbau der physischen KI-Infrastruktur notwendig sind.

Der KI-Boom lässt sich auch an den Geschäftszahlen ablesen –  Hochtief ist mit hohen Zuwächsen bei Umsatz und Gewinn und einem Rekord-Auftragsbestand in das neue Geschäftsjahr 2026 gestartet. Der Konzernumsatz stieg im ersten Quartal im Vergleich zum Vorjahr währungsbereinigt um 14 Prozent auf 9.4 Milliarden Euro. Der operative Konzerngewinn erhöhte sich um 30 Prozent auf 217 Millionen Euro. Der Auftragseingang stieg bis Ende März währungsbereinigt um 27 Prozent auf 15.2 Milliarden Euro, womit der Auftragsbestand mit 79.3 Milliarden Euro ein neues Rekordniveau erreichte. Für viel Fantasie sorgt die US-Tochter Turner Construction, die unter anderem am Bau des Rechenzentrums-Campus von Meta im US-Bundesstaat Indiana mit einem Gesamtwert von 10 Milliarden US-Dollar beteiligt ist.

Die Nachfrage nach komplexer und kritischer Infrastruktur ist zuletzt stark gestiegen, und Hochtief ist hier stark positioniert. Im Bereich KI, Digitalisierung und Technologie sorgte die US-Tochter Turner Construction für Fantasie, die unter anderem am Bau des Rechenzentrums-Campus von Meta im US-Bundesstaat Indiana mit einem Gesamtwert von 10 Milliarden US-Dollar beteiligt ist. Im Bereich Kritische Mineralien wurde die Tochter CIMIC in Indien vom grössten integrierten Zinkhersteller mit dem Bau einer Wiederaufbereitungsanlage beauftragt. Im Bereich Energie ist Hochtief selbst Teil eines Konsortiums, um das globale Small-Modular-Reactor-Nuklearprogramm (SMR) von Rolls-Royce zu realisieren. Und auch Rüstungsfantasie steckt in Hochtief, denn der Konzern erhielt jüngst den Auftrag zur Modernisierung des Militärflughafens Čáslav, eines der wichtigsten Stützpunkte der tschechischen Luftwaffe.

Für das Gesamtjahr 2026 erwartet Hochtief einen operativen Konzerngewinn in Höhe von 950 bis 1’025 Millionen Euro, was einem Zuwachs von 20 bis 30 Prozent gegenüber dem Vorjahr entspricht.

Hochtief gehört auch zweifelsohne zu den Profiteuren des Infrastrukturprogramms der deutschen Regierung – mit dem 500 Milliarden Euro schweren Generationenprojekt hat die Bundesregierung eine nie da gewesene Investitionsoffensive auf den Weg gebracht – für umfangreiche Investitionen in die Modernisierung und in die Zukunftsfähigkeit Deutschlands.

Doch die Hochtief-Aktie hat sich auf Sicht von zwei Jahren mehr als verfünffacht, womit der Markt bereits sehr viele Vorschusslorbeeren verteilt hat. Ob dies gerechtfertigt war, werden die Zahlen für das zweite Quartal zeigen, die voraussichtlich Ende Juli veröffentlicht werden. Mit der Aufnahme in den deutschen Leitindex DAX hat der Konzern am 22. Juni 2026 einen weiteren Meilenstein erreicht. Der Indexeffekt ist jedoch bereits wieder verflogen. Neues Kaufinteresse könnte aufkommen, wenn die Aktie das Rekordhoch vom 6. Mai bei 554.00 Euro überquert. Geht es hingegen unter die aktuell bei 497.67 Euro verlaufende 38-Tage-Linie könnte das Tief vom 10. Juni bei 450.20 Euro noch einmal angesteuert werden.

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