Der Agrar- und Pharmakonzern Bayer hat jüngst in den USA einen juristischen Erfolg im Streit um den Unkrautvernichter Roundup erzielt. Die Aktie schnellte daraufhin um mehr als 20 Prozent in die Höhe. Entwarnung kann jedoch immer noch nicht gegeben werden, und deshalb müssen Anleger bei der Bayer-Aktie weiterhin zwischen Chance und Risiko abwägen.
Der Agrar- und Pharmakonzern Bayer hat im milliardenschweren Rechtsstreit über mutmassliche Krebsrisiken seines glyphosathaltigen Unkrautvernichters Roundup einen wichtigen Sieg vor dem Obersten US-Gerichtshof errungen. Der US Supreme Court entschied, dass die Zulassungsvorgaben der US-Bundesbehörden Vorrang vor dem Recht einzelner Bundesstaaten haben. Klagen wegen angeblich unzureichender Krebs-Warnhinweise seien somit unzulässig, da sie zusätzliche oder abweichende Anforderungen an die Etikettierung stellten als von der US-Umweltschutzbehörde EPA verlangt. Damit entzog das Gericht Tausenden ähnlichen Klagen die Grundlage. Die Bayer-Aktie schoss seit dem Urteil um über 20 Prozent auf aktuell 48.16 Euro in die Höhe.
Sogenannte Failure-to-warn-Ansprüche – also Klagen wegen fehlender Krebswarnungen auf Glyphosat-Produkten — machten die überwiegende Mehrheit der bisherigen Klagen aus. Da diese Klagen aufgrund des jüngsten Urteils wenig Aussichten auf Erfolg haben, hat sich die Situation bei Bayer deutlich gebessert. Allerdings prüfen Klägeranwälte bereits alternative Rechtsansprüche. Die schwerwiegenderen Urteile der Vergangenheit beruhten auf Design-Defekt-Vorwürfen und fahrlässigem Verhalten — diese Klagekategorie bleibt vom jüngsten Urteil unberührt. Parallel läuft ein Sammelvergleich über 7.25 Milliarden US-Dollar weiter, der aktuelle und künftige Glyphosat-Ansprüche abdecken soll. Die Anhörung zur Genehmigung des 7.25 Milliarden Dollar schweren Vergleichs hat ein US-Gericht im Bundesstaat Missouri jetzt um sechs Wochen auf den 19. August verschoben.
Entwarnung kann also noch nicht gegeben werden, auch wenn sich die Ausgangslage etwas verbessert hat. Bayer erwirtschaftet weiterhin keinen freien Cashflow, obwohl die Zahlen zum ersten Quartal des neuen Geschäftsjahrs recht ordentlich ausfielen. So wuchs der Umsatz währungsbereinigt auf Jahressicht um 4.1 Prozent auf 13.41 Milliarden Euro. Das EBITDA vor Sondereinflüssen legte um 9 Prozent auf 4.45 Milliarden Euro zu. Der freie Cashflow ist jedoch auf minus 2.32 Milliarden Euro angewachsen und soll sich im Gesamtjahr weiter auf 2,.5 Milliarden Euro erhöhen. Der Grund: Das Management rechnet 2026 mit rund 5 Milliarden Euro Abfluss für Rechtsstreitigkeiten. Solange die Rechtskosten den operativen Fortschritt auffressen, bietet sich aus fundamentaler Sicht noch keine vielversprechende Einstiegsgelegenheit.
In der jüngeren Vergangenheit erzielte Bayer jedoch drei neue Arzneimittelzulassungen, zwei Anwendungserweiterungen und sechs positive Spätphasen-Studienergebnisse. Neue Produkte könnten neue Märkte erschliessen. Aussichtsreiche Produktkandidaten sind Kerendia und Asundexian. Weitere positive Nachrichten könnten die Risiken minimieren und die Chancen auf einen positiven Cashflow ab 2027 erhöhen. In Stein gemeisselt ist dieses Szenario jedoch nicht. Der August wird mit der Veröffentlichung der Q2-Zahlen und dem Glyphosat-Sammelvergleich überaus spannend. Scheitert der Vergleich oder gibt es neue Einwände, könnte es noch einmal ungemütlich werden.
Charttechnisch ist die Aktie zuletzt stark gelaufen und hat beinahe das Zweieinhalb-Jahres-Hoch vom Februar bei 49.78 Euro erreicht. Da bereits eine stark überkaufte Marktphase vorliegt, könnte sich das weitere Vorwärtskommen kurzfristig etwas schwierig gestalten. Geht es jedoch über das Februar-Hoch, könnte übergeordnet das Hoch vom Februar 2023 bei 65.66 Euro in den Fokus rücken. Kommt es hingegen zu Gewinnmitnahmen, könnte das Zwischenhoch vom April bei 41.77 Euro angesteuert werden. Eine weitere Unterstützung taucht am Mai-Hoch bei 39.65 Euro auf, ehe die aktuell bei 38.51 Euro verlaufende 38-Tage-Linie in den Fokus rücken könnte.
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