Die Aktie des führenden Chemikalien-Distributors Brenntag hat sich zuletzt kräftig erholt. Zuvor ging es im Zuge des Iran-Konflikts allerdings auch kräftig abwärts. Zudem steckt die Chemiebranche weiter in der Krise – die erhoffte Konjunkturerholung musste schon mehrfach verschoben werden. Mit dem Iran-Konflikt und der Sperrung der für die Schifffahrt so wichtigen Strasse von Hormus hat sich die Situation Doch kommt es zu einer konjunkturellen Erholung, sollten die Chemiekonzerne diese besonders zu spüren bekommen, was sich in einer stark steigenden Nachfrage nach Chemikalien niederschlagen dürfte. weiter verschärft.
Der Essener Konzern Brenntag bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer in der Distribution von Chemikalien und Inhaltsstoffen. Da die Chemiebranche seit einigen Jahren eine Durststrecke durchläuft, hat sich auch Brenntag als Chemikalienhändler zuletzt schwergetan. Erst vor wenigen Tagen legte der Konzern seine Zahlen für das Geschäftsjahr 2025 vor, die das Ausmass der Krise gut widerspiegeln. Die Umsatzerlöse schrumpften im Vergleich zum Vorjahr um 6.56 Prozent auf 15.17 Milliarden Euro, während das Betriebsergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (operatives EBITDA) um 8.6 Prozent auf 1.29 Milliarden Euro sank. Dennoch gelang es dem Chemikalienhändler, seinen Free Cashflow um 5.4 Prozent auf 940.8 Millionen Euro zu erhöhen.
Am Markt kamen die Zahlen jedoch gut an, denn er hatte mit einem noch schwächeren Abschneiden gerechnet. Anklang fand vor allem die leicht um 0.5 Prozentpunkte auf 25.3 Prozent verbesserte Rohertragsmarge, die zeigt, dass der Konzern keine strukturellen Probleme hat, sondern lediglich unter der schwachen Nachfrage nach Chemikalien leidet.
Als hätte es die Chemiebranche aufgrund der anhaltenden Konjunkturschwäche nicht schon schwer genug, kam auch noch der Iran-Konflikt hinzu. Als Problem hat sich die Blockade der für die Schifffahrt so wichtigen Strasse von Hormus entpuppt. Durch die 55 Kilometer breite Meerenge an der iranischen Küste werden täglich nämlich nicht nur rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte verschifft, sondern auch wichtige Chemikalien wie etwa Ammoniak, Phosphat, Helium oder Schwefel. Auch bei diesen Produkten müssen zwischen 20 und 50 Prozent des Welthandels die Meerenge passieren.
Das war auch der Grund, warum die Brenntag-Aktie am 9. März bei 43.72 Euro auf ein 5-Jahres-Tief absackte. Doch mit Veröffentlichung der Geschäftszahlen für 2025 ging es mit der Aktie wieder aufwärts, zuletzt sogar recht steil. Freundlich aufgenommen wurde am Markt auch die vom Konzern gemachte klare Absage an eine Trennung der Geschäftsbereiche Essentials und Specialties. Statt auf eine riskante Entflechtung zu setzen, sollen die Bereiche neu ausgerichtet werden und Synergien innerhalb der bestehenden Struktur besser genutzt werden. Die Erhaltung von Synergien bei Kosten, Personal und Infrastruktur wird als entscheidender Wettbewerbsvorteil gegenüber einer Aufspaltung gewichtet. Ein beschleunigtes Kostensenkungsprogramm soll bis zum Jahr 2027 jährliche Einsparungen von rund 300 Millionen Euro realisieren. Zudem will Brenntag bis Ende 2026 rund 350 Millionen Euro in die Digitalisierung seiner Lieferketten investieren. Das Management erwartet dadurch einen zusätzlichen jährlichen Ergebnisbeitrag von 200 Millionen Euro.
Im Iran-Konflikt gab es zuletzt Entspannungssignale, die der Markt bereits honorierte und die Aktie inzwischen wieder auf etwa 55 Euro beförderten. Kann der Konflikt zeitnah beigelegt werden, dürfte sich der erhoffte Konjunkturaufschwung in Deutschland und Europa nur geringfügig nach hinten verschieben. Von einem Konjunkturaufschwung profitiert die Chemiebranche in der Regel im besonderen Masse, denn Chemieprodukte sind der Ausgangsstoff für fast alle anderen Industriezweige. Zieht die Wirtschaft an, steigt der Bedarf an Kunststoffen, Spezialchemikalien und Vorprodukten für die Automobilindustrie, den Maschinenbau und die Bauwirtschaft. Und als Chemikalienhändler dürfte auch Brenntag stark profitieren, zumal die Lager der Chemiekonzerne wegen der anhaltenden Krise recht leer sind.
