Energiekonzerne stehen an den Börsen derzeit hoch im Kurs. Die zuletzt wegen des Nahost-Konflikts wieder stark gestiegenen Ölpreise dürften nicht ganz schuldlos am zunehmenden Interesse sein, denn steigende Ölpreise schüren Hoffnungen auf sprudelnde Gewinne. Die Aktie des US-Energiekonzerns Chevron erreichte gestern ein neues Rekordhoch und kletterte erstmals in der Geschichte über die runde Marke von 200 US-Dollar.
Der Preis für leichtes Öl der US-Sorte WTI bewegte sich im vergangenen Jahr die meiste Zeit zwischen 60 und 70 US-Dollar je Barrel (etwa 159 Liter). Gegen Jahresende sackte er sogar unter die 60-Dollar-Marke. Diese Marke gilt als wichtig, denn bei einem WTI-Preis von unter 60 Dollar fahren die meisten US-Produzenten ihre Investitionen zurück, da sie nicht mehr profitabel wachsen können. Beim US-Energieriesen Chevron sieht die Situation zwar etwas besser aus, doch machten sich die niedrigen Ölpreise im vergangenen Jahr auch in der Chevron-Bilanz stark bemerkbar. Der Konzernumsatz sank im Geschäftsjahr 2025 gegenüber dem Vorjahr um knapp 5 Prozent auf 184,4 Milliarden US-Dollar. Noch heftiger wirkten sich die niedrigen Ölpreise auf die Gewinnsituation aus – Chevrons Nettogewinn sank 2025 im Vergleich zum Vorjahr um mehr als 30 Prozent auf 12,3 Milliarden Dollar.
Im Januar und Februar zogen die Ölpreise bereits wieder leicht an, ehe die Eskalation im Nahost-Konflikt Anfang März die Ölpreise kräftig in die Höhe schnellen ließ. Der WTI-Preis kletterte am 9. März bis auf 119,48 Dollar nach oben, ehe er sich zwischen 90 und 100 Dollar einpendelte. Der Grund für den kräftigen Ölpreisanstieg lag vor allem an der Blockade der vom Iran kontrollierten Schifffahrtsroute, der Straße von Hormus. Durch die 55 Kilometer breite Meerenge an der iranischen Küste müssen täglich rund ein Fünftel der weltweiten Öl- und Gastransporte. Der Transport kam mit der Eskalation im Nahost-Konflikt fast komplett zum Erliegen. Experten befürchten, dass der Krieg noch eine Weile anhalten könnte. Doch selbst wenn der Krieg rasch beigelegt wird, könnte es noch Wochen oder Monate dauern, bis der Öl- und Gastransport auf der Schifffahrtsroute wieder reibungslos verläuft. Die Ölpreise könnten somit weiter steigen oder zumindest noch eine Weile auf hohem Niveau verweilen.
Auf die vielversprechenden Gewinnaussichten hat der Markt bereits reagiert – die Chevron-Aktie kletterte gestern erstmals in der Geschichte über die Marke von 200 US-Dollar und setzte bei 200,58 Dollar eine neue historische Bestmarke. Beflügelt haben die Aktie aber nicht nur die gestiegenen Ölpreise. Freundlich aufgenommen wurde auch eine Meldung der US-Börsenaufsichtsbehörde SEC, wonach die Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway ihre Beteiligung an Chevron zuletzt um 8 Millionen Aktien auf rund 130 Millionen Anteile erhöht hat. Chevron gehört damit zu den Top-5-Beteiligungen der Investmentgesellschaft, für die Investmentlegende Warren Buffet trotz seines Rücktritts als CEO noch immer beratend zur Seite steht.
Aus charttechnischer Sicht ist der Aktie gerade erst der Ausbruch nach oben gelungen. Mit dem Überqueren des Hochs vom 14. November 2022 bei 189,68 US-Dollar wurde ein kräftiges Kaufsignal generiert. Zahlreiche Analysten haben ihre Kursziele für die Aktie zuletzt teils deutlich über 200 Dollar angehoben. Je länger der Krieg im Nahen Osten anhält und je höher der WTI-Preis steigt, desto kräftiger dürften auch die Gewinne bei Chevron sprudeln.