Der KI-Boom will einfach nicht enden. Zwar zeigte sich der Markt zuletzt gegenüber Unternehmen skeptisch, die weiter Milliardenbeträge in neue Rechenzentren für KI-Anwendungen investieren, doch brummt bei Komponentenherstellern weiterhin das Geschäft. Einer von ihnen ist der Halbleiterkonzern Micron Technology, der sich auf fortschrittliche Speicher und Speicherlösungen fokussiert hat. Die jüngsten Zahlen für das abgelaufene zweite Quartal von Micron waren ebenso atemberaubend wie der Ausblick auf das laufende dritte Quartal.
Der US-amerikanische Halbleiterkonzern Micron Technology ist ein weltweit führender Hersteller von fortschrittlichen Speichern sowie Speicherlösungen und produziert primär DRAM-, NAND- und High-Bandwidth-Memory-(HBM)-Chips. Speziell die HBM-Chips finden derzeit reissenden Absatz. Sie sind essenziell für Rechenzentren, Künstliche Intelligenz (KI), Smartphones und die Autoindustrie.
Im abgelaufenen zweiten Quartal hat Micron neue Rekorde bei Umsatz, Gewinn, Bruttomarge und freiem Cashflow erzielt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorquartal um nahezu 75 Prozent auf 23.86 Milliarden US-Dollar. Gegenüber dem Vorjahr betrug die Steigerung sage und schreibe 196 Prozent. Der Bruttogewinn verbesserte sich im Vergleich zum ersten Quartal um 132 Prozent auf 17.76 Milliarden Dollar. Gegenüber dem Vorjahr hat er sich sogar nahezu versechsfacht. Die Bruttomarge kletterte auf 74.4 Prozent, nachdem sie im Vorjahr gerade einmal knapp 37 Prozent betragen hatte. Netto verdiente der Konzern mit 13.79 Milliarden Dollar rund 163 Prozent mehr als im Vorquartal und 771 Prozent mehr als im Vorjahr.
Ähnlich beeindruckend liest sich auch der Ausblick. Micron peilt für das laufende dritte Quartal einen Umsatz von 34.3 Milliarden Dollar an. Die Konsensschätzungen lagen zuvor bei lediglich 22.4 Milliarden Dollar. Beim Gewinn je Aktie peilt der Konzern nun einen Wert zwischen 18.75 und 19.55 Dollar an, was die vorherigen Schätzungen von durchschnittlich 10.50 Dollar geradezu pulverisierte. Als Hauptgrund für das derzeit schwindelerregende Wachstum nannte Micron die anhaltende Knappheit bei Hochleistungsspeichern. Überprüfungen der Lieferketten von Micron würden laut Analysten zeigen, dass Microns HBM-Kapazitäten bereits bis ins Jahr 2027 vollständig ausverkauft sein dürften. Auch bei herkömmlichen DDR5-Speichern zeichnet sich eine ähnliche Vollauslastung ab, da die ungebrochene Nachfrage nach KI-Lösungen für einen extrem engen Markt sorgt.
Im Anschluss an die Zahlen hagelte es Kaufempfehlungen seitens der Analystenhäuser. Und auch die Kursziele für die Micron-Aktie wurden reihenweise erhöht. Wie nachhaltig das aktuelle Wachstum ist, lässt sich zwar schwer sagen, doch sorgte jüngst eine Studie der unabhängigen asiatischen Investmentberatungsfirma Aletheia Capital für neue Erkenntnisse. Nach Einschätzung der Experten werden die Investitionsausgaben für Rechenzentren von der aufkommenden Nachfrage nach agentenbasierter KI angetrieben. Gleichzeitig stellt das Wachstum ein aussergewöhnlich untypisches Muster dar. Das Analysehaus rechnet für das Kalenderjahr 2026 mit einer atypischen Saisonalität, wobei die Stückzahlen in einem deutlich auf das Jahresende ausgerichteten Jahr voraussichtlich in jedem Quartal sequenziell wachsen werden.
Möglicherweise ist der Hype um die Micron-Aktie, die gestern mit einem Zuwachs von 39.10 US-Dollar oder 9.17 Prozent auf 465.66 Dollar klar stärkster Wert im Technologie-Leitindex Nasdaq-100 war, noch nicht vorbei. Mit dem Überqueren des Januar-Hochs bei 455.50 Dollar hat sich das Chartbild weiter aufgehellt. Und es könnte zusätzlicher Rückenwind anstehen, denn die Aktie ging gestern nur wenige Dollar unter dem Rekordhoch vom 18. März bei 471.34 Dollar aus dem Handel. Ein Überqueren des Hochs würde ein neues Kaufsignal generieren und weiteres Aufwärtspotenzial eröffnen. Vertraut man den Einschätzungen einiger Analysten, hat die Aktie noch reichlich Aufwärtspotenzial. Wird das Januar-Hoch bei 455.50 Dollar hingegen wieder unterschritten, taucht die nächste verlässliche Unterstützung an der aktuell bei 403.79 Dollar verlaufenden 50-Tage-Linie auf.

