Die Netflix-Aktie befindet sich seit Wochen auf Talfahrt. Seit dem Rekordhoch im Juni 2025 hat der Wert bereits gut 35 Prozent verloren. Gestern nach US-Börsenschluss ging es um weitere 5 Prozent abwärts, obwohl der US-Streamingdienst recht solide Quartalszahlen vorgelegt hatte. Für langfristig orientierte Investoren bietet sich allmählich jedoch ein interessantes Einstiegsniveau.
Die Aktie des Streaminganbieters Netflix hat an der Börse derzeit einen schweren Stand. Anfang Dezember gab der Streamingdienst ein Übernahmeangebot für einen Grossteil des Medienkonzerns Warner Bros. Discovery (WBD) ab. Die Vereinbarung sah einen Preis von 27.75 US-Dollar je WBD-Aktie vor. Die gesamte Transaktionssumme in Höhe von 82.7 Milliarden Dollar sollte teilweise in Aktien und teilweise in bar beglichen werden.
Übernommen werden sollen nicht nur die Film- und TV-Studios, sondern auch der Streamingdienst HBO Max. Netflix würde mit dem Zukauf den Zugang zu bedeutenden Kultfilmen und -serien der vergangenen Jahrzehnte erhalten. Der Markt zeigte sich im Anschluss skeptisch. Durch den Deal würde ein neuer Riese des Filmgeschäfts entstehen. Gemeinsam kämen beide Unternehmen auf rund 450 Millionen Abonnenten weltweit. Kartellämter und Politiker befürchten eine Vormachtstellung von Netflix, weshalb sich die Übernahme über Monate hinziehen könnte. Des Weiteren wäre eine Übernahme in dieser Grössenordnung für Netflix unbekanntes Terrain. Viele Investoren befürchten zudem einen Bieterkampf, denn Konkurrent Paramount Skydance hat jüngst etwa 108 Milliarden Dollar für Warner Bros. Discovery geboten. Warner Bros. Discovery hat sich jedoch für einen Verkauf an Netflix entschieden.
Gestern nach US-Börsenschluss legte Netflix seine Bilanz für das vierte Quartal und das Gesamtjahr 2025 vor. Gestützt auf einen anhaltenden Kundenzuwachs steigerte Netflix seinen Umsatz im abgelaufenen Quartal gegenüber dem Vorjahr um rund 17 Prozent auf 12.05 Milliarden Dollar. Im Gesamtjahr kletterte der Umsatz auf Jahressicht um 16 Prozent auf 45.18 Milliarden Dollar. Netflix konnte damit die Markterwartungen leicht übertreffen. Für das erste Quartal im neuen Geschäftsjahr stellte der Streaminganbieter Erlöse in Höhe von 12.16 Milliarden Dollar in Aussicht, was einem Zuwachs von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr entsprechen würde. Die Zahl der Abonnenten stieg 2025 um 23 Millionen auf inzwischen 325 Millionen an.
In einer ersten Reaktion ging es für die Aktie im nachbörslichen Handel leicht aufwärts. Doch Netflix hatte noch Neuigkeiten im Köcher, die am Markt nicht so gut ankamen. So stellte der Konzern sein milliardenschweres Übernahmeangebot für Warner Bros. Discovery auf ein reines Barangebot um und will die 82.7 Milliarden Dollar nun komplett in Cash begleichen. Zudem stoppte der Konzern dafür sein Aktienrückkaufprogramm. Das reine Barangebot soll die Übernahme einfacher machen und den Warner-Aktionären helfen, den Annäherungsversuchen des Rivalen Paramount zu widerstehen.
Die Netflix-Aktie erreichte im Juni bei 134.12 US-Dollar ein neues Rekordhoch, ehe sie auf Tauchstation ging. Gestern im nachbörslichen US-Handel sackte die Aktie auf 82.26 Dollar ab. Die Netflix-Aktie gibt es inzwischen also gut 40 Prozent günstiger als noch im Sommer. Die Marktskepsis wegen der Übernahme dürfte inzwischen zu einem Grossteil eingepreist sein, weshalb sich das aktuelle Kursniveau durchaus zum Einstieg anbieten könnte. Charttechnisch trifft die Aktie zwischen 82.35 und 82.11 Dollar auf einen massiven Unterstützungsbereich, der aus den Tiefpunkten vom Januar und April 2025 resultiert. Da aktuell bereits eine überverkaufte Marktphase vorliegt, könnte die Aktie hier durchaus Halt finden. Eine Erholung bis an den aktuell bei 99.25 Dollar verlaufenden 50-Tage-Durchschnitt erscheint kurzfristig jederzeit möglich. Ein mittelfristiges Anlaufziel könnte die aktuell bei 113.05 Dollar verlaufende 200-Tage-Linie sein.
